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Aktuelles

„Kien“. Drama von Maxim Biller. Lesung mit Samuel Finzi und Herbert Knaup

Podiumsgespräch mit den Schauspielern, Norbert Otto Eke, Arnd Beise, Michael Hofmann.

Maxim Biller wirft in seinem neuen Stück „Kien“ den Blick zurück in die Gründungs- und Selbstbegründungsjahre der Bundesrepublik Deutschland als geläuterter Nation, in der die Scham (über die Liebe zu Hitler, über den antisemitischen Konsens) als Selbstwahrnehmungs- und Verhaltensnorm im Rahmen der nationalen Selbstfindung sowie ein vordergründiger Philosemitismus der intendierten moralischen Wiedereingliederung Deutschlands in die Völkergemeinschaft Glaubwürdigkeit verleihen sollte.

1964 in Hamburg in einem Studio des NDR auf der Rothenbaumchaussee: Der Journalist Friedrich K. Friedrich interviewt den Schriftsteller Ulrich Kien in seiner Fernsehsendung „Achtung Kultur“. Kien, ehemals Adolf Rosenstein, Anfang vierzig, bekennender Sozialist, viel besprochener und preisgekrönter Autor und Dramatiker, der 1939 aus Prag nach England emigrierte, wo er noch lebt. Friedrich K. Friedrich, ca. fünfzig Jahre alt, NDR-Moderator, der während der NS-Zeit Drehbücher für die Reichsfilm AG schrieb. Es soll ein Gespräch über das aktuelle Theaterstück und Schaffen Kiens werden.

Nach und nach entrollen sich jedoch Verstrickungen der beiden Männer während des 2. Weltkriegs. Familiengeschichten, politische Ideologien, persönliche Motive, und im Zentrum des Ganzen eine Frau, die sie beide kannten: Paula Paulson. Sie war eine der vielen Menschen, die in einem Film der Reichsfilm AG „mitspielen“ mussten und anschließend deportiert wurden. Das Fernsehinterview entwickelt sich zu einem Thriller vor und hinter den Kulissen. Faschistische Ideologien, die weiterhin im Kopf von Friedrich K. Friedrich vorherrschen, kommen auf den Tisch.

Diese Konfrontation wird für einen der beiden zum Kampf ums Überleben.

Lesung und Literaturgespräch am Samstag, 7. März 2026 · 18.00 Uhr
Ort: Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Eberhard-Lämmert-Saal, Eingang Meierottostr. 8, 10719 Berlin. 

Organisiert von der IPWG in Zusammenarbeit mit dem ZfL Berlin.

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

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Afghanistan-Aktion zur Rettung hochgefährdeter Personen

Die schweizerisch-deutsche Schriftstellerin und emeritierte Titularprofessorin für Literaturwissenschaft Sabine Haupt, die zugleich langjähriges IPWG-Mitglied ist, hat im Rahmen einer Afghanistan-Aktion mehr als 90 hochgefährdete Personen (Schriftsteller:innen, Hochschuldozent:innen, Journalist:innen, Menschenrechtsaktivst:innen) und ihre Familien nach Europa (Schweiz, Deutschland, Spanien und Frankreich) holen können. Sie hat die gesamte Aktion und ihren Kontext in einer Anthologie dokumentiert, die im Mai 2025 erschienen ist. Dazu gibt es ein Radio-Interview auf SRF2 Kultur, das mit Fotos von einem begleitenden großen Afghanistanfest vom 3. Mai 2025 illustriert ist: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7363474685461692421/

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RP Kahls Filmfassung der „Ermittlung“ für den Grimme-Preis nominiert

Der vierstündige Kinofilm „Die Ermittlung“ (Film Mischwaren für BR/WDR/ARTE, WDR-Redaktion: Götz Vogt) ist für den Grimme-Preis nominiert (Kategorie: Fiktion). Eine Adaption des Theaterstücks „Die Ermittlung. Oratorium in elf Gesängen“ von Peter Weiss, das auf persönlichen Aufzeichnungen, Zeitungsartikeln und Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963 bis 1965) basiert. Regisseur RP Kahl hat das Theaterstück mit 60 Schauspielerinnen und Schauspielern für die Kinoleinwand inszeniert. In unmissverständlich klarer Sprache zu einem lyrischen Klagegesang verdichtet und montiert, konfrontiert das Stück Täter und Opfer und lässt das Grauen in Auschwitz spürbar werden.

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Das monumentale Werk „Die Ermittlung“ (DE 2024, 241', Rolf Peter Kahl) wird am Dienstag, dem 27. Januar 2026 um 17:30 Uhr im FILMCLUB Capitol Bozen in deutscher Sprache mit italienischen Untertiteln gezeigt. In Anwesenheit des Produzenten des Films Alexander van Dülmen und des Darstellers Wilfried Hochholdinger (Inglorious Basterds, Babylon Berlin).

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„Die Ermittlung“. Szenische Lesung im Scharoun Theater

Die zerstörerische Macht, die von Sprache ausgehen kann, offenbart sich vor allem in Hassrede und Diffamierung, vor allem wenn sie wieder und wieder erklingen. Mit der Zeit werden Hetze und Vernichtungsfantasien zu einer Art von Normalität. So bereiten Worte den Boden für (Menschheits-) Verbrechen, wie sie im Konzentrationslager Auschwitz begangen wurden. Diese allein auf Vernichtung und Auslöschung zielende Kraft klagt Peter Weiss u.a. in seinem Dokumentar-Theater über den ersten Frankfurter Auschwitzprozess an. Einer der Angeklagten, der Unterscharführer Stark, benennt die sprachlichen Wurzeln des mörderischen Systems der Nationalsozialisten: „Jedes dritte Wort in unserer Schulzeit / handelte doch von denen / die an allem schuld waren / und die ausgemerzt werden mussten.“

Weiss' Text durchmisst das ganze Grauen des Vernichtungslagers von der „Rampe“ bis zu  den „Feueröfen“ und zeichnet den Weg nach, den unzählige Deportierte von der Ankunft in Auschwitz bis zu ihrem Tod gehen mussten. So offenbart sich das gesamte „System“  Auschwitz, das über die individuellen Opfer- und Tätergeschichten hinausgeht. Der damalige hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer wollte mit dem Frankfurter Auschwitzprozess eben dieses System der deutschen Öffentlichkeit vor Augen führen.

Diese Veranstaltung findet im Rahmen des Holocaustgedenktages am 27. Januar 2026 statt.

Scharoun Theater Wolfsburg, Hinterbühne, Donnerstag, 22. Januar 2026, 19.30 Uhr:30 – 20:40 UhrHin

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Hinweise 2025

50 Jahre »Die Ästhetik des Widerstands«

Literaturgespräch mit Birgit Müller-Wieland und Ingo Schulze
Moderation: Arnd Beise und Michael Hofmann

»Wie sollten wir noch Romane schreiben, wenn ringsum Ungeheuerliches im Entstehn begriffen ist«?

Vor 50 Jahren, im Herbst 1975, erschien der erste Band der Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss (1916–1982). Anfänglich von der Kritik ambivalent aufgenommen, wurde rasch klar, dass dieses Romanprojekt zwischen Historiografie und verlebendigender Fiktion ein Jahrhundertwerk ist, »eines der erregendsten, mutigsten und traurigsten Bücher« seiner Zeit, wie Wolfgang Koeppen es nannte.

In der Ästhetik des Widerstands verschränkt Weiss die Geschichte des Widerstands gegen Unterdrückung mit der Frage nach der Rolle von Kunst und Literatur für das Bewusstsein der Widerstehenden. Beispielhaft steht dafür die Geschichte jener, die zwischen 1937 und 1945 gegen den Faschismus kämpften.

Für viele Schriftsteller:innen der Gegenwart war die Lektüre dieses dreibändigen Monuments ein Erlebnis ganz eigener Art. Die Internationale Peter Weiss-Gesellschaft (IPWG) lädt deshalb ein zu einem Gespräch über die Bedeutung von Peter Weiss’ Romanprojekt für die eigene literarische Entwicklung. Arnd Beise und Michael Hofmann von der IPWG diskutieren mit der österreichischen Schriftstellerin Birgit Müller-Wieland und dem Berliner Autor Ingo Schulze, die beide 19 Jahre alt waren, als Peter Weiss seine »Ästhetik des Widerstands« vollendete.

»Die Hoffnungen würden bleiben. Die Utopie würde notwendig sein.«

Literaturgespräch am 29. November 2025 · 18.00 Uhr
Ort: Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Eberhard-Lämmert-Saal, Eingang Meierottostr. 8, 10719 Berlin. Organisiert von Claude Haas

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Hinweise 2024

Interdisziplinäres Kulturprojekt zur „Ästhetik des Widerstands“

Am 23. November 2024 stellte das Team von "Sprung.wien" auf der Wieden in Wien die Performance "Du an deinem Ort – Teil 2" vor. Die Vorstellung zeigte eine theatralische Bearbeitung des Werks "Die Ästhetik des Widerstands" von Peter Weiss. Sie beinhaltete unter anderem Performances, Lesungen und Vorträge. Die Darstellung begab sich auf die Suche nach Formen des Widerstands gegen Ausbeutung und Krieg. Das Stück wurde im "Transform! Europe"-Saal in der Gußhausstraße 14/3 vorgeführt.

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Hinweise 2023

Stellungnahme der IPWG zu den Vorgängen um die Verleihung des Peter Weiss-Preises der Stadt Bochum 2023

Mit Befremden und Sorge sieht die IPWG die Diskussion um die designierte Peter Weiss-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo. Wir gratulieren der Jury für ihre Entscheidung, die Verfasserin des grandiosen Romans Adas Raum aus dem Jahre 2021 auszuzeichnen, der ganz im Sinne von Peter Weiss als ein Musterbeispiel einer „Ästhetik des Widerstands“ angesehen werden kann. Otoo verbindet in ihrem epischen Meisterwerk Geschichten über die Unterdrückung von Frauen mit antikolonialen Perspektiven sowie mit einer eigenwilligen Thematisierung des Nationalsozialismus. Die Verwendung einer komplexen Dingsymbolik erhöht den ästhetischen Reiz des Romans, der als ein exemplarisches Modell postmigrantischen Erzählens in deutscher Sprache gelten kann.

Umso vehementer kritisiert die IPWG, wie eilfertig Otoo von offizieller Seite – auf alleiniger Grundlage eines tendenziösen Online-Artikels – wegen einer vor längerer Zeit geleisteten Unterschrift unter eine pro-palästinensische Petition als Preisträgerin in Frage gestellt wurde. Peter Weiss, nach dem der Preis der Stadt Bochum benannt wurde, hat sich in seinem Werk eindringlich mit dem Nationalsozialismus und dessen Fortleben befasst; er hat seine unverbrüchliche Solidarität mit Israel als Heimstatt der Juden betont, gleichzeitig aber die konkrete Politik verschiedener israelischer Politiker zu mehreren Gelegenheiten kritisiert. Wir sind uns nicht sicher, ob Peter Weiss selbst unter den aktuellen Diskursbedingungen eine Chance gehabt hätte, den Peter Weiss-Preis zu erhalten.

Hinweise 2022

Sonderausgabe der Zeitschrift „New German Critique“

Aus Anlass des Erscheinens der englischen Übersetzung des zweiten Bandes von Peter Weiss‘ Die Ästhetik des Widerstands bei Duke University Press haben Kai Evers, Julia Hell und Seth Howes im November 2022 eine Sonderausgabe der Zeitschrift „New German Critique“ herausgegeben, die neue, an aktuellen Fragestellungen orientierte Lesarten des Romans bietet.

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Gunilla Palmstierna-Weiss ist tot

Die Internationale Peter Weiss-Gesellschaft trauert um Gunilla Palmstierna-Weiss. Wie die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter berichtet, ist die schwedische Bühnenbildnerin, Kostümgestalterin und Keramikerin Gunilla Palmstierna-Weiss verstorben. Sie war 94 Jahre alt. Gunilla Palmstierna-Weiss‘ Karriere als Bühnenbildnerin und Kostümdesignerin begann mit der legendären Premiere von Peter Weiss‘ „Marat/Sade“ am Schillertheater Berlin 1964. Von 1964 bis zu seinem Tod 1982 war sie mit dem deutsch-schwedischen Autor, Maler und Filmemacher Peter Weiss verheiratet. Sie trat in Weiss‘ Filmen auf und gestaltete Bühnen und Kostüme für seine Dramen. 

Hinweise 2021

Prozess Auschwitz – Theater+ Film

Preview am 18. November 2021 um 20.00 Uhr im Gallustheater Frankfurt a. M., Kleyerstr. 5

Die Überlebenden der Vernichtungslager hatten die Bürde des Erlittenen für ihr weiteres Leben zu tragen. Der Frankfurter Auschwitz-Prozess zwang die ZeugInnen, sich dem Prozess des Erinnerns, des Berichts, der Befragung in öffentlicher Verhandlung auszusetzen. Wir nutzen die Protokolle des Prozesses, konzentrieren uns aber auf die unterschiedlichen Formen des Erinnerns: Erinnern als Rekonstruktion, fragmentierte und zerstörte Erinnerung, abgewehrte, verformte Erinnerung, Bilder ohne Sprache, scheiternder Sprechversuch. 

Hinweise 2020

Der Chronist der „Weltkomödie“ und seine Beziehungen zu Peter Weiss

In memoriam Christoph Meckel

Wie Peter Weiss hat auch Christoph Meckel sowohl als Autor wie auch als bildender Künstler gearbeitet. Beide kannten und schätzten sich. Während aber Weiss nach seiner Phase als Bildkünstler nicht mehr schrieb, hat Meckel beides stets parallel betrieben.

Hinweise 2019

Otobong Nkanga erhält den Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum

Die nigerianische Künstlerin Otobong Nkanga erhält den mit 15 000 Euro dotierten Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum. In einer Mitteilung hob die Jury hervor, die 1974 geborene Fotografin, Performerin, Plastikerin und Autorin begreife ihre künstlerisch-anthropologischen Studien als den ganzen Menschen umfassende, konkrete Untersuchungen. Der Preis wird am Sonntag, dem 15. Dezember 2019 im Kunstmuseum Bochum verliehen.