Aktuelles
Peter Weiss als Leser
„Unser Studieren war von Anfang an Auflehnung“ – Peter Weiss als Leser
Die Bibliothek der Akademie der Künste präsentiert im Rahmen einer Führung ausgewählte Bücher aus dem Nachlass des Schriftstellers Peter Weiss.
Peter Weiss’ Denkwege bei der Entwicklung seines literarischen Werks werden in dessen Arbeitsbibliothek sichtbar. Nicht allein die thematischen Schwerpunkte der Sammlung verweisen auf Entstehungsprozesse. Zahlreiche Lesespuren zeugen zudem von intensiven Lektüren. Beispielhaft sei hier die in der Sammlung enthaltene umfangreiche Literatur zum Holocaust genannt, die im Entstehungskontext seines Theatertexts Die Ermittlung steht und eine Fülle von Markierungen, Notizen und Lesezeichen aufweist.
Anlässlich von Peter Weiss‘ 110. Geburtstag präsentiert die Akademiebibliothek ausgewählte Bücher aus seiner privaten Sammlung und gewährt Einblicke in die Bibliotheksmagazine.
Foyer des Akademie-Gebäudes am Pariser Platz, Pariser Platz, Berlin, 4. Dezember 2026, 16.00 Uhr
Peter Weiss‘ Spuren in Bremen: Außerschulische Lernorte und Werkstatteinblicke
CALL FOR PARTICIPATION:
Peter Weiss‘ Spuren in Bremen: Außerschulische Lernorte und Werkstatteinblicke
am Freitag, 27. November 2026
Impulsvorträge:
Prof. Dr. Michael Hofmann (Paderborn): „Außerschulische Lernorte im Kontext der ‚Ästhetik des Widerstands‘ von Peter Weiss“
Frieder Stange (Leipzig): „Erfahrung und Erwartung. Überlegungen zur Prädisposition der Rezeption des Romans ‚Die Ästhetik des Widerstands‘“
Der Autor Peter Weiss (1916-1982), der insbesondere für sein ambitioniertes Spätwerk Die Ästhetik des Widerstands (1975/1978/1981) bekannt ist, gerät sowohl im akademischen als auch im schulischen Umfeld zunehmend aus dem Blickfeld. Nur vereinzelt findet eine Beschäftigung mit seinem Werk noch statt wie beispielsweise im Rahmen der diesjährigen Konferenz am German Department der Princeton University zur Ästhetik des Widerstands oder durch Inszenierungen seiner Dramentexte und kulturelle Veranstaltungen. Im Literaturunterricht der Sekundarstufe II spielt das dokumentarische Theaterstück Die Ermittlung (1965), das den ersten Frankfurter Auschwitzprozess zum Gegenstand hat, noch eine Rolle, das an deutschen Theatern immer wieder aufgeführt wird und 2024 von RP Kahl filmisch bearbeitet wurde.
„Die Ermittlung“ im vierten deutschen Landesparlament
Bereits in früheren Jahren hatte es szenische Lesungen von Peter Weiss‘ Auschwitz-Oratorium „Die Ermittlung“ im Niedersächsischen Landtag (2009) und in der Bremischen Bürgerschaft (2016) gegeben. Zu einer ersten regulären Inszenierung von Weiss‘ Stück, die im Sitzungssaal eines Landesparlaments gezeigt wurde, kam es unter Burkhard C. Kosminskis Regie (Schauspiel Stuttgart) im Sitzungssaal des Landtags Baden-Württemberg (2025). Die Stuttgarter Inszenierung wird am 13. November 2026 nun als Gastspiel auch im Landtag Rheinland-Pfalz in Mainz gespielt. Das Schauspiel Stuttgart verhandelt gegenwärtig mit weiteren Landtagen über zusätzliche Gastspiele. Eine entsprechende Anregung hatte Theaterkritiker Egbert Tholl in der Süddeutschen Zeitung (2./3. Oktober 2025, S. 10) ausgesprochen.
„Die Ermittlung“ im Kulturhaus Frankfurt
Als 1963 der Erste Frankfurter Auschwitz-Prozessbegann und man sich der Mammutaufgabe stellte, wenigstens einen Bruchteil der Verantwortlichen für die im größten der Konzentrationslager begangenen Verbrechen gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen, war die Erinnerung an die NS-Zeit noch frisch in den Köpfen der Beteiligten und der Bevölkerung verankert. Es gab niemanden, der zu Kriegszeiten nicht auf der einen oder anderen Seite gestanden hätte, der nicht Täter oder Opfer gewesen wäre – und keinen, der nun im Zuge des Prozesses nicht in ohnmächtiger Ungläubigkeit Dinge erfahren hätte, die in den Lagern abgeschottet und doch so unversteckt all die Jahre über vor sich gegangen waren. Heute, über 80 Jahre nach Kriegsende, da nur noch sehr wenige Zeugen der NS-Zeit am Leben sind, bleiben Briefe, Dokumente, Akten, Gedenkstätten, Fotografien – und Erinnerungen an Erinnerungen.
Die Ermittlung von Peter Weiss, verfaßt im Stil eines Oratoriums, ist Dokumentartheater im besten Sinne: Die Aussagen der Protagonisten sind zwar poetisiert und in Themenkomplexe unterteilt, entsprechen aber den Fakten; es sind die echten Aussagen echter Opfer und echter Täter; beide Seiten kommen gleichermaßen und gnadenlos einander gegenübergestellt zu Gehör, ohne Bewertung, ohne Emotion und ohne In-Szene-Setzen. Für uns ist Die Ermittlung als Lehrstück zu betrachten: In kaum einem anderen Stück wird ein Teil wahrer Geschichte auf so grausame und schonungslose Weise lebendig. Die Inszenierung versteht sich als Teil der Aufgabe, diese geschichtlichen Fakten wieder aufzuzeigen und damit einen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten – mehr noch: einen Beitrag dazu, dasssich dergleichen niemals wiederholt!
Aufführungen im Kulturhaus Frankfurt, 9. November 2026
Interieurs des Exil
Internationaler Workshop im Rahmen der UIBK-SAS-Kooperation.
Universität Innsbruck, 14. Oktober 2026, 15:45 – 15. Oktober 2026, 15:30 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich
Mit den deutsch-jüdischen Exilanten und Exilantinnen des 20. Jahrhunderts gingen auch viele Habseligkeiten – Tische, Regale, Kommoden oder Geschirr – in die Fremde. Mit den verbliebenen Dingen mussten sie sich oft unter widrigen Umständen in fremder Umgebung in neuer Bleibe einrichten. Diesen Exponaten der Verpflanzung und ihren Behausungen gilt unter literatur- und kulturgeschichtlicher Perspektive das Augenmerk des Workshops.
Die Dingwelten und die Sprache gingen im Exil dabei enge Verflechtungen ein. Die Gegenstände erwiesen sich als verstrickt in Prozesse des Beredtwerdens von Vertreibung; sie wurden zu Trägern von Erinnerung und Neuverortung. Anhand ausgewählter Autorinnen und Autoren – von Stefan Zweig über Monika Mann bis Peter Weiss – verfolgt der Workshop diese Spur. Im Blick stehen Schauplätze vom brasilianischen Petrópolis über Capri bis New York und zurück in die Reihenhäuser der Bundesrepublik. Diskutiert wird die Bedeutung von Innenräumen und Möblierungen in materieller wie metaphorischer Hinsicht. Die Exilliteratur eröffnet dabei neue Perspektiven auf die Umbrüche und die Wohnkultur des 20. Jahrhunderts.
Mit Beitrag von Kira Jürjens (Berlin): Extrakte. Verdichtetes Wohnen im Exil (bei Peter Weiss)
Call for Papers: Peter Weiss‘ „The Aesthetics of Resistance“ at Fifty
Graduate Conference, Princeton University
Peter Weiss’s monumental novel The Aesthetics of Resistance (1975–81) remains one of the twentieth century’s most ambitious attempts to articulate the relation between politics and aesthetics within a revolutionary tradition. While telling the stories of organizers against fascism during the Nazizeit, the novel foregrounds the engagement with art as a legitimate and necessary form of political work. Here, in contrast to elitists' conceptions of art and aesthetics, proletarian autodidacticism is represented as a dialogical process of defending and developing perceptual abilities against the totalitarian pressures of fascist violence and revolutionary dogmatism. The “slow” and “circuitous” processes of subject-formation take precedence over heroic deeds. In this alternative Bildungsroman, the struggle against fascism becomes reflexive and transformative only through the inquiry into art and the unconscious.
At the same time, The Aesthetics of Resistance represents political violence as an assault not only on bodies, but on perception itself, one that extends from the Holocaust and Vietnam to contemporary acts of systematic and genocidal violence. Placing such experiences in relation to one another, Weiss’s work opens onto a wide horizon of political and aesthetic expressions of humanity and resistance, from the anti-apartheid “cultural work” of the Medu Art Ensemble to the poetry and political writings Walid Daqqa, written during his thirty-eight years of imprisonment in Israel. In navigating the tension between the necessity of solidarity and the risks of its unconditional proclamation, the novel insists that perception, study, and aesthetic practice themselves constitute forms of political labor that are never finished and must remain subject to ongoing critical evaluation.
Rolle der Rechtswissenschaft bei der Aufarbeitung von NS-Verbrechen
Das Fritz Bauer Institut und die J. W. Goethe-Universität Frankfurt widmen sich in einer Veranstaltung der juristischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen und deren künstlerischer Rezeption und setzen den Fokus auf den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess und das Theaterstück bzw. den Film „Die Ermittlung“ von Peter Weiss. Mit dieser Veranstaltung richten sich die Veranstalter gezielt an Menschen in juristischen Berufen, die sich über den Film mit den historischen Zusammenhängen und den Entwicklungen im Bereich der Rechtswissenschaft beschäftigen möchten.
Dienstag, 29. September 2026, 18:00-20:00 Uhr, Cinéma Frankfurt, Frankfurt am Main
„Die Ermittlung“ bei Tanztreffen der Jugend
Am Ort der West-Berliner Uraufführung, dem heutigen Haus der Berliner Festspiele (Großer Saal), wird am 28. September 2026 ein Auszug aus Peter Weiss‘ „Die Ermittlung“ im Rahmen des Tanztreffens der Jugend aufgeführt. Die Inszenierung des ersten Gesangs durch die Oberstufentheatergruppe des Dientzenhofer-Gymnasiums Bamberg macht die Mechanismen von Gewalt, Schuld und Selbstentlastung in einer chorischen und körperlichen Sprache erfahrbar.
„Die Ermittlung“ in Krefeld
In Kooperation mit der NS-Dokumentationsstelle Krefeld führte das Triastheater Krefeld am 5. Juli 2026 Peter Weiss‘ Stück „Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen“ auf.
The Defeated: The Aesthetics of Resistance 2026
Die private, 2006 eröffnete „Bonniers Konsthall“ in Stockholm zeigt eine Gruppenausstellung, die auf dem Roman Die Ästhetik des Widerstands des schwedisch-deutschen Schriftstellers, Dramatikers und Künstlers Peter Weiss basiert. Die Schau umfasst neu geschaffene Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler, historische Werke und Dokumente aus Weiss’ Umfeld und dem Kontext des Romans sowie ein Programm mit Vorträgen, (Film-)Vorführungen und Konferenzen.
Der Titel der Ausstellung nimmt Bezug auf das Werk Die Besiegten von Weiss, das im Jahr 1948 im Verlag Bonniers erschien.
"The Defeated: The Aesthetics of Resistance 2026", Bonniers Konsthall, Stockholm, 26. August bis 8. November 2026
Lesung von Weiss-Text auf Einladung der „Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer“
Anlässlich des Jahrestages der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Europa hatte die „Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer“ in Kooperation mit dem Bad Vilbeler „Bündnis für Demokratie und Vielfalt“ im Mai 2026 zu einer Lesung von Peter Weiss' Text Die Ortschaft durch Edgar M. Böhlke in das Haus der Begegnung nach Bad Vilbel eingeladen.
Medienberichte