Aktuelles
RP Kahls Filmfassung der „Ermittlung“ für den Grimme-Preis nominiert
Der vierstündige Kinofilm „Die Ermittlung“ (Film Mischwaren für BR/WDR/ARTE, WDR-Redaktion: Götz Vogt) ist für den Grimme-Preis nominiert (Kategorie: Fiktion). Eine Adaption des Theaterstücks „Die Ermittlung. Oratorium in elf Gesängen“ von Peter Weiss, das auf persönlichen Aufzeichnungen, Zeitungsartikeln und Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963 bis 1965) basiert. Regisseur RP Kahl hat das Theaterstück mit 60 Schauspielerinnen und Schauspielern für die Kinoleinwand inszeniert. In unmissverständlich klarer Sprache zu einem lyrischen Klagegesang verdichtet und montiert, konfrontiert das Stück Täter und Opfer und lässt das Grauen in Auschwitz spürbar werden.
Das monumentale Werk „Die Ermittlung“ (DE 2024, 241', Rolf Peter Kahl) wird am Dienstag, dem 27. Januar 2026 um 17:30 Uhr im FILMCLUB Capitol Bozen in deutscher Sprache mit italienischen Untertiteln gezeigt. In Anwesenheit des Produzenten des Films Alexander van Dülmen und des Darstellers Wilfried Hochholdinger (Inglorious Basterds, Babylon Berlin).
„Die Ermittlung“. Szenische Lesung im Scharoun Theater
Die zerstörerische Macht, die von Sprache ausgehen kann, offenbart sich vor allem in Hassrede und Diffamierung, vor allem wenn sie wieder und wieder erklingen. Mit der Zeit werden Hetze und Vernichtungsfantasien zu einer Art von Normalität. So bereiten Worte den Boden für (Menschheits-) Verbrechen, wie sie im Konzentrationslager Auschwitz begangen wurden. Diese allein auf Vernichtung und Auslöschung zielende Kraft klagt Peter Weiss u.a. in seinem Dokumentar-Theater über den ersten Frankfurter Auschwitzprozess an. Einer der Angeklagten, der Unterscharführer Stark, benennt die sprachlichen Wurzeln des mörderischen Systems der Nationalsozialisten: „Jedes dritte Wort in unserer Schulzeit / handelte doch von denen / die an allem schuld waren / und die ausgemerzt werden mussten.“
Weiss' Text durchmisst das ganze Grauen des Vernichtungslagers von der „Rampe“ bis zu den „Feueröfen“ und zeichnet den Weg nach, den unzählige Deportierte von der Ankunft in Auschwitz bis zu ihrem Tod gehen mussten. So offenbart sich das gesamte „System“ Auschwitz, das über die individuellen Opfer- und Tätergeschichten hinausgeht. Der damalige hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer wollte mit dem Frankfurter Auschwitzprozess eben dieses System der deutschen Öffentlichkeit vor Augen führen.
Diese Veranstaltung findet im Rahmen des Holocaustgedenktages am 27. Januar 2026 statt.
Scharoun Theater Wolfsburg, Hinterbühne, Donnerstag, 22. Januar 2026, 19.30 Uhr:30 – 20:40 UhrHin
50 Jahre »Die Ästhetik des Widerstands«
Literaturgespräch mit Birgit Müller-Wieland und Ingo Schulze
Moderation: Arnd Beise und Michael Hofmann
»Wie sollten wir noch Romane schreiben, wenn ringsum Ungeheuerliches im Entstehn begriffen ist«?
Vor 50 Jahren, im Herbst 1975, erschien der erste Band der Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss (1916–1982). Anfänglich von der Kritik ambivalent aufgenommen, wurde rasch klar, dass dieses Romanprojekt zwischen Historiografie und verlebendigender Fiktion ein Jahrhundertwerk ist, »eines der erregendsten, mutigsten und traurigsten Bücher« seiner Zeit, wie Wolfgang Koeppen es nannte.
In der Ästhetik des Widerstands verschränkt Weiss die Geschichte des Widerstands gegen Unterdrückung mit der Frage nach der Rolle von Kunst und Literatur für das Bewusstsein der Widerstehenden. Beispielhaft steht dafür die Geschichte jener, die zwischen 1937 und 1945 gegen den Faschismus kämpften.
Für viele Schriftsteller:innen der Gegenwart war die Lektüre dieses dreibändigen Monuments ein Erlebnis ganz eigener Art. Die Internationale Peter Weiss-Gesellschaft (IPWG) lädt deshalb ein zu einem Gespräch über die Bedeutung von Peter Weiss’ Romanprojekt für die eigene literarische Entwicklung. Arnd Beise und Michael Hofmann von der IPWG diskutieren mit der österreichischen Schriftstellerin Birgit Müller-Wieland und dem Berliner Autor Ingo Schulze, die beide 19 Jahre alt waren, als Peter Weiss seine »Ästhetik des Widerstands« vollendete.
»Die Hoffnungen würden bleiben. Die Utopie würde notwendig sein.«
Literaturgespräch am 29. November 2025 · 18.00 Uhr
Ort: Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Eberhard-Lämmert-Saal, Eingang Meierottostr. 8, 10719 Berlin. Organisiert von Claude Haas
XXII. cinefest und 38. Internationaler Filmhistorischer Kongress Hamburg
Zwischen Schreibmaschine und Filmkamera. Literaten und ihr Verhältnis zum Film. 38. Internationaler Filmhistorischer Kongress
Betrachtet man die literarische Szene der 1950er bis 1980er Jahre in West- und Ost-Deutschland, so zeigt sich ein bemerkenswerter Unterschied. In der DDR arbeiteten viele führende Schriftstellerinnen und Schriftsteller auch selbst im Film: Christa und Gerhard Wolf schrieben Drehbücher, Helga Schütz hat u. a. an der Filmhochschule in Babelsberg studiert, Jurek Beckers Welterfolg »Jakob der Lügner« begann als Drehbuch. In West-Deutschland hingegen war der Film für viele Autorinnen und Autoren zunächst nicht Teil ihrer Medienarbeit – es sei denn, sie konnten ihre Bücher für die Verfilmung »verkaufen«. Eine Änderung dieser filmskeptischen Haltung erfolgte erst im Verlauf der 1960er und 1970er Jahren.
Der 38. Internationale Filmhistorische Kongress auf dem cinefest 2025, der vom 19. bis 22. November 2025 in Hamburg ausgerichtet wird, geht den gesellschaftlichen Gründen und kulturellen Auswirkungen dieser Situation nach. Die Vorträge sollen die im Schnittfeld von literatur-, medien- und speziell filmwissenschaftlicher Forschung die spannungsvolle Beziehung von Literaten zum Film beleuchten.
67. Nordische Filmtage Lübeck (Retrospektive) mit Weiss-Kurzfilmen
Die 67. Nordischen Filmtage Lübeck finden vom 5. bis 9. November 2025 statt und sind ein Festival für aktuelle Filmkunst aus nordischen, baltischen und norddeutschen Ländern. Im Rahmen der diesjährigen Retrospektive rückt Kurator Jörg Schöning die enge Verbindung von Film und bildender Kunst ins Zentrum. Die Filme von und mit Künstlern zeigen, wie im Fall der Kurzfilme von Peter Weiss, die Auseinandersetzung mit dem Medium Film oder künstlerische Werke, die im Rahmen einer Spielfilmhandlung in Szene gesetzt werden.
Nähere Informationen
Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum geht an Yael Ronen
Der Peter-Weiss-Preis 2025 der Stadt Bochum wird an die Theaterautorin und -regisseurin Yael Ronen verliehen. Die Auszeichnung, benannt nach dem Autor, Dramatiker, Maler und Filmemacher Peter Weiss, wird seit 1990 alle zwei Jahre an eine Persönlichkeit aus einer der Sparten Literatur, Theater, bildende Kunst und Film vergeben. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.
Lesung von „Abschied von den Eltern“ bei Ö1
Am 23. Oktober 2025 sendete Ö1 erneut Markus Meyers Lesung von Peter Weiss‘ „Abschied von den Eltern“, die bereits aus Anlass von Weiss‘ 100. Geburtstag im November 2016 Teil des Ö1-Programms gewesen ist.
Neuerscheinung: Peter Weiss Short Film Collection
Peter Weiss war ein gefeierter deutsch-schwedischer Schriftsteller und Dramatiker, der vor allem durch sein Bühnenstück Marat/Sade bekannt wurde. Sein literarischer Ruhm überschattete seine Arbeit als surrealistischer Maler und Avantgarde-Filmemacher. Die oberflächliche Realität wird zu suggestiven Bildern, die so fest, so gewiss und so verlockend wie das Objekt selbst werden. Die Beharrlichkeit der Bilder – Halluzinationen, Träume, Wahnvorstellungen – wurde später zu einem wiederkehrenden Charakteristikum von Weiss‘ Werk. Neben den Filmen Studie I bis V (1952-1955) enthält die Blue-ray Disc unter anderem die Kurzfilme Ansikten i skugga (Gesichter im Schatten; 1956) und Enligt lag (Im Namen des Gesetzes; 1957), doch auch seltener dokumentierte Kurzfilme wie Ateljéinteriör (Das Atelier des Dr. Faust; 1956) und Tagning Öyvind Fahlström (Aufnahme: Öyvind Fahlström; 1961). Alle in der Edition enthaltenen Filme wurden vom Schwedischen Filminstitut zwischen 2015 und 2020 digitalisiert.
Blu-ray mit 13 Kurzfilmen des deutsch/schwedischen Autors und Dramatikers Peter Weiss. Paris: Re:Voir, 2025. 132 Min. 24,90 Euro.
„Die Ermittlung“ im Landtag Baden-Württemberg
Eine der spektakulärsten Inszenierungen des Schauspiels Stuttgart in der Saison 2025/2026 wird „Die Ermittlung“ von Peter Weiss sein. Das Stück über die Auschwitz-Prozesse war eines der erfolgreichsten in den Nachkriegsjahren. Intendant Burkhard C. Kosminski wird es am 30. September 2025 im Landtag Baden-Württemberg herausbringen. Interessierte Städte und Institutionen können die Inszenierung einladen.
Es handelt sich um die dritte Darbietung von Weiss‘ Schauspiel in einem deutschen Landesparlament, nach früheren Lesungen der „Ermittlung“ im Niedersächsischen Landtag am 11. Februar 2009 und in der Bremischen Bürgerschaft am 10. März 2016. Die wiederholten Darbietungen des Stücks im Rahmen der Erinnerungskultur in deutschen Landesparlamenten stellen ein singuläres Phänomen in der deutschen Theatergeschichte dar.
Medienberichte
- Staatsanzeiger Baden-Württemberg, 26. September 2025
- Stuttgarter Zeitung, 29. September 2025
- nachtkritik.de, 1. Oktober 2025
- Die Deutsche Bühne, 1. Oktober 2025
- spiegel.de, 1. Oktober 2025
- swr.de, 1. Oktober 2025
- fr.de, 1. Oktober 2025
- swp.de, 1. Oktober 2025
- Stuttgarter Nachrichten, 1. Oktober 2025
- onlinemerker.com, 1. Oktober 2025
- Süddeutsche Zeitung, 2./3. Oktober 2025, Nr. 227, S. 10
- taz.de, 2. Oktober 2025
- Stuttgarter Zeitung, 2. Oktober 2025
- Badische Zeitung, 2. Oktober 2025
- Reutlinger General-Anzeiger, 2. Oktober 2025
- Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Oktober 2025, Nr. 230, S. 14
- Südkurier, 7. Oktober 2025
- Neue Zürcher Zeitung, 15. Oktober 2025
„Die Ermittlung“ im Rahmen der LIT Kartause, Köln
Im Rahmen der Reihe „LIT Kartause: Szenische Lesungen und Musik“ wird am Samstag, dem 20. September 2025 in der Kartäuserkirche Köln das Theater von Peter Weiss gewürdigt, mit „Die Ermittlung“ – einem Leseabend zur Erinnerung an die Auschwitzprozesse.
„Die Ermittlung“ in Oelde
Am Sonntag, 7. September 2025 ab 17:00 Uhr wird das Theaterstück „Die Ermittlung“ im Rathaus im großen Ratssaal der Stadt Oelde aufgeführt.
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