Prozess Auschwitz – Theater+ Film

Preview am 18. November 2021 um 20.00 Uhr im Gallustheater Frankfurt a. M., Kleyerstr. 5

Die Überlebenden der Vernichtungslager hatten die Bürde des Erlittenen für ihr weiteres Leben zu tragen. Der Frankfurter Auschwitz-Prozess zwang die ZeugInnen, sich dem Prozess des Erinnerns, des Berichts, der Befragung in öffentlicher Verhandlung auszusetzen. Wir nutzen die Protokolle des Prozesses, konzentrieren uns aber auf die unterschiedlichen Formen des Erinnerns: Erinnern als Rekonstruktion, fragmentierte und zerstörte Erinnerung, abgewehrte, verformte Erinnerung, Bilder ohne Sprache, scheiternder Sprechversuch. 

Auf der anderen, der Täterseite die Erinnerung als Verfälschung, Verleugnung oder Rechtfertigung, auftrumpfend oder abwehrend, larmoyant, aggressiv. 

Ästhetisch nähern wir uns diesen Formen des Erinnerns mit einer Partitur aus Stimmen, Aktionen,  einer Komposition für Sopran,Rauminstallation.

Szenisch werden Positionen im Prozess des Erinnerns, die der Opferzeugen und die der Täter, als unvereinbar gegenüber gestellt, es gibt keinen Dialog, es wird nicht die Form des Gerichtsprozesses gewählt. 

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Martin Rector: Erinnerungen an Jost Hermand

* 11. April 1930 in Kassel; † 9. Oktober 2021 in Madison, Wisconsin


Jost Hermand, 1994 (Foto: Claude Lebus, CC-BY-SA-3.0)Jost Hermand – ich erinnere mich gut – stand natürlich schon in meinem studentischen Bücherregal. Seine Reclam-Anthologien über „Das Junge Deutschland“ (1966) und „Der deutsche Vormärz“ (1967) waren irgendwie unverzichtbar, seine pragmatisch-streitbare Intervention über „Synthetisches Interpretieren“ (1969) half bei der Orientierung in der damaligen Methodendiskussion. Damals waren seine Bücher einfach nicht nur nützlich und informativ – das blieben sie zeitlebens – sondern auch noch einigermaßen zu überblicken. Das sollte sich seit den 70er Jahren immer schneller ändern. Wenn ich heute richtig zähle, hat Jost Hermand von 1958 bis zu seinem Tode am 9. Oktober 2021 allein um die 80 Bücher veröffentlicht, von zahlreichen Sammelbänden und Aufsätzen ganz abgesehen. Dabei hat er bedeutende Epochen der deutschen Literaturgeschichte weitgehend ausgespart; um das Mittelalter, um Barock, Aufklärung, Klassik und Romantik hat er sich kaum bemüht. Was ihn immer wieder aufs Neue interessierte, war die deutsche Literatur vom Vormärz bis zur Gegenwart, und zwar weniger in ihrer ästhetischen Autonomie als in ihrer Bedeutung für die übergreifende deutschen Kultur- und Gesellschaftsgeschichte. In diesem Feld ging er immer wieder in die Breite und in die Tiefe, auch ohne Scheu vor gelegentlichen Wiederholungen, zumal bei seinen erklärten Lieblingsautoren. Über Heine hat er fünf, über Brecht vier Bücher veröffentlicht. Seine eigentliche Domäne aber waren weniger solche monographischen Studien, sondern komprimierte kulturgeschichtliche Epochendarstellungen zum Vormärz, zum Kaiserreich, zur Weimarer Republik, zum Faschismus, oder auch thematische Studien zum Judentum, zur Pop-Kultur und zur Ökologie-Bewegung, nicht zuletzt auch zur Bildenden Kunst und zur Musik. Hier fand er seinen typischen Darstellungsstil: stets eminent detailkundig, aber zugleich zusammenfassend und klar ordnend, dabei unbedingt wertungsfreudig und vor allem: lesbar.

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Mikis Theodorakis †

Mikis Theodorakis, 1971 (Foto: Heinrich Klaffs, CC-BY-SA-2.0)
»Wenn der Boden, die Erde, unter der Herrschaft des Asphalts verschwindet, versuchen die traurigen Stadtbewohner ein paar Blumen in Töpfe zu pflanzen. Je mehr sich unser Industriezeitalter ausbreitet, umso mehr verwandeln sich die Erde der Gesellschaft und der Boden des Menschen in einen Asphalt der Gesellschaft und in einen Beton des Menschen.« (Mikis Theodorakis, 1988)      

HANSGEORG HERMANN. »Ein großer Teil der jungen Griechen sagt jetzt: Wir müssen Widerstand leisten gegen das, was Sie mit ›Asphalt‹ und ›Beton‹ umschreiben. […] Was verbinden Sie mit dem Wort ›Widerstand‹? Und was ist für Sie politischer Widerstand?«            
MIKIS THEODORAKIS. »Ich will Ihnen mit einem Beispiel aus der Vergangenheit antworten: Im Juli 1947 brachte man uns, weil wir im Bürgerkrieg als Kommunisten angeblich auf der falschen Seite kämpften, auf die Insel Ikaria in die Verbannung. Ungefähr zweihundert Mann. Die meisten waren Bauern, einige waren Gelehrte, einige waren Künstler wie ich. Fünfzig Prozent der Verbannten aber waren Analphabeten. Wir durften auf Ikaria nicht arbeiten, wir waren in ein Lager eingesperrt, umgeben von Zäunen. Daher beschlossen wir, den Bauernsöhnen, den Fischern, den Tagelöhnern das Lesen und Schreiben beizubringen. Sie lernten das sehr viel schneller, als wir wenigen Bevorzugten angenommen hatten. Deshalb begannen wir auch noch, ihnen Unterricht in Fremdsprachen zu geben – Englisch, Französisch, Italienisch, alles, was wir konnten. Das war meiner Meinung nach unser wichtigster Beitrag im Kampf um Recht und Freiheit. Es war Widerstand. Bildung und Kultur waren der wichtigste Teil des Widerstands. […] Wir haben mit unseren Bildungsangeboten den Grundstein zu dem gelegt, was später, nach dem Ende des Bürgerkriegs und in den sechziger Jahren kam. Die ›Lambrakis-Jugend‹, die Partei Vereinigte Linke des Arztes Grigoris Lambrakis, der dann im Mai 1963 von Rechtsextremisten ermordet wurde, basierte auf diesen Anfängen. Die Bewegung war nicht ideologisch überfrachtet, sie fußte auf Kultur und hatte damit großen Erfolg. Sie trug eine Kultur- und Sozialrevolution. Diese Art von Widerstand war insofern auch eine Pflicht. Bis die Junta kam und alles zerstörte.« [Aus:  »Wogegen müssen wir revoltieren, Herr Theodorakis?« Hansgeorg Hermann im Gespräch mit Mikis Theodorakis. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 90, 18. April 2009, S. Z6.]

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Der IPWG-Vorstand trauert um Hans-Christian Stillmark

Mit Bestürzung nehmen wir die Nachricht vom Hinschied Dr. Hans-Christian Stillmarks zur Kenntnis.

Seit 12.12.2020 war er Mitglied des Vorstands der Internationalen Peter-Weiss-Gesellschaft e.V. Doch schon lange vorher war er (nicht nur) als Peter-Weiss-Forscher der Gesellschaft verbunden. Was seine Publikationen zu Weiss angeht, erinnere ich hier nur an den von ihm mit herausgegebenen Band "Ein Riss geht durch den Autor" (2009), sowie an den Aufsatz über Weiss und Müller im PWJ 13/2004 und an den Aufsatz über die Textcollage "Von Insel zu Insel" aus dem Jahr 2018.

Zuletzt war Hans-Christian mit der Potsdamer Niederlassung der IPWG beschäftigt, die er initiierte und betreuen wollte. Überraschend starb er am 25. August diesen Jahres. Wir werden den klugen und initiativen, zugleich hingebungsvollen Kollegen und Freund nicht vergessen und sein Werk fortsetzen.

Für die Gesellschaft und den Vorstand

Arnd Beise

Saisonauftakt bei Theater Gegendruck

Ab August 2021 kann nach der langen Zwangspause Theater Gegendruck endlich sein Publikum wieder empfangen.

Zum Auftakt gibt es eine kleine Open Air-Veranstaltung am Sonntag, 22. August 2021 um 16 Uhr. Unter dem Titel MARAT/SADE-Atelier zeigt das Theater vor dem Atelierhaus, Königstraße 49a, Recklinghausen-Süd als kleinen Vorgeschmack Szenen aus einer Neuinszenierung des Stücks Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats... von Peter Weiss, die am 2. Dezember 2021 Premiere haben wird. Der Eintritt ist frei. 

Die spartenübergreifende Performance NACHTIGALL VERBORGEN IM GRAS ist dann am Sonntag, 12. September 2021, zwischen 14 und 17 Uhr im und um das Atelierhaus zu sehen. In dieser interaktiven Kunstaktion, die durch den Förderetat der Stadt Recklinghausen für die Freie Kultur- und Kreativszene Recklinghausen unterstützt wird, finden sich Bildende Kunst, Musik und  Rezitation zusammen. Auch in diesem Fall ist der Eintritt frei.

Für beide Veranstaltungen wird um Reservierung (telefonisch unter: 02361/374773 oder per Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) gebeten.

Am Mittwoch, 27. Oktober 2021, 19.30 Uhr (Ruhrfestspielhaus Hinterbühne) und am Sonntag, 31. Oktober 2021, 18 Uhr (Kunstmuseum Bochum) zeigt Theater Gegendruck wieder die Inszenierung DIE ERMITTLUNG von Peter Weiss, die gemeinsam mit dem Gegendruck-Ensemble und einem Chor Recklinghäuser Bürgerinnen und Bürger erarbeitet wurde.

Aktuelle Informationen auch unter https://theater-gegendruck.de

Medienberichte