Gunilla Palmstierna-Weiss ist tot

Die Internationale Peter Weiss-Gesellschaft trauert um Gunilla Palmstierna-Weiss. Wie die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter berichtet, ist die schwedische Bühnenbildnerin, Kostümgestalterin und Keramikerin Gunilla Palmstierna-Weiss verstorben. Sie war 94 Jahre alt. Gunilla Palmstierna-Weiss‘ Karriere als Bühnenbildnerin und Kostümdesignerin begann mit der legendären Premiere von Peter Weiss‘ „Marat/Sade“ am Schillertheater Berlin 1964. Von 1964 bis zu seinem Tod 1982 war sie mit dem deutsch-schwedischen Autor, Maler und Filmemacher Peter Weiss verheiratet. Sie trat in Weiss‘ Filmen auf und gestaltete Bühnen und Kostüme für seine Dramen. 

Zwischen 1966 und 1991 arbeitete sie in insgesamt 19 Produktionen mit Ingmar Bergman zusammen. Neben ihrer Arbeit am Theater war Gunilla Palmstierna-Weiss eine bekannte Keramikerin und Künstlerin, die mehrere Einzelausstellungen und Werke im Stockholmer Museum für darstellende Künste und im Schwedischen Nationalmuseum hatte. Im Jahr 2013 veröffentlichte sie ihre Autobiographie „Minnets Spelplats“, in der sie von ihrem Aufwachsen im Zentrum der europäischen Kulturgeschichte und inmitten des Zweiten Weltkriegs erzählt.

Gunilla Palmstierna Weiss und Arnd Beise, 16.9.2022 (Foto: Klaus Wannemacher)Für eine deutsche Ausgabe hat sie ihre Memoiren gemeinsam mit der Übersetzerin Jana Hallberg überarbeitet. Anlässlich der Veröffentlichung hat sie den Band vor neun Wochen noch im Rahmen des internationalen literaturfestivals berlin im Haus der Berliner Festspiele vorstellen können, anschließend auch im Literaturhaus Leipzig (Eine europäische Frau. Erinnerungen. Berlin: Verbrecher 2022). „Eine stärkere Person als Mutter ist schwer zu finden. Alles, was sie erlebt hat, Glück, Leid, Liebe, Krieg und die seltsamsten Abenteuer“, schreibt ihre Tochter Nadja Weiss auf facebook.

Nachrufe und Würdigungen

Foto: Klaus Wannemacher

Vortrag Stefan Howalds zu Peter Weiss‘ Malerei, Filmen und literarischen Werken

Der Journalist und Autor Stefan Howald stellt Peter Weiss‘ Malerei, Filme und literarische Werke in einem ausführlichen Vortrag vom Herbst 2022 auf vimeo vor:

“Die Ästhetik des Widerstands” ist sprichwörtlich geworden, und der Monumentalroman bleibt ein Schlüsselwerk für das 20. Jahrhundert, mit aktuellen Bezügen. Aber Leben und Werk von Peter Weiss (1916-1982) haben weit mehr zu bieten. Der folgende Vortrag stellt ihn als Maler und Filmer dar, setzt sich mit seinen früheren Prosaarbeiten und den Theaterstücken auseinander, dann aber auch mit der “Ästhetik des Widerstands”. Das ist reich illustriert mit über zweihundert Bildern und einem Dutzend Videoclips. Schwarzweiss und bunt. Der erste Teil des Vortrags über Peter Weiss und seine Malerei und Filme sowie die literarischen Werke bis 1970 dauert rund 48 Minuten. Bei 48.30 Minuten folgt ein kurzes Musikstück, der zweite Teil vor allem über die “Ästhetik des Widerstands” beginnt bei 53 Minuten und dauert knapp 40 Minuten.

Vortrag „Peter Weiss 1916-1982“ auf vimeo

„Ich ergreife Partei / für alles was Leben macht“

Realismus revisited. Zum 100. Geburtstag von Heinar Kipphardt. Eine interdisziplinäre Tagung

Für den Dramatiker, Lyriker und Erzähler Heinar Kipphardt war der Realismus eine zentrale Kategorie: vom Einfluss biografischer Erlebnisse, der Auseinandersetzung mit sozialistischem Realismus, Surrealismus und Psychiatrie bis hin zu seinen Dokumentartheaterstücken. Anlässlich seines 100. Geburtstags greift die interdisziplinäre Tagung aktuelle Realismus-Debatten in der deutschsprachigen Literatur und im Theaterkontext auf. Für die Tagung, die zwischen 14. und 16. Oktober 2022 an der Münchner Volkshochschule, Einsteinstr. 28, 81675 München stattfindet, ist eine Anmeldung erforderlich. Konzipiert und organisiert haben die Tagung Prof. Dr. Sven Hanuschek und Dr. Laura Schütz.

Im Rahmen der Veranstaltung werden IPWG-Mitglied Dr. Ingo Breuer am 15. Oktober 2022, 16.30 Uhr über Schwester Zschäpe? Die „Lücke“ des Realismus in Nuran David Calis' dokumentarischem NSU-Projekt, IPWG-Mitglied Xuan Sun am 16. Oktober 2022, 9.30 Uhr über Das Dokumentartheater und den neuen Realismus und IPWG-Mitglied Dr. Klaus Wannemacher anschließend um 10.15 Uhr unter dem Titel Das produktive Misstrauen in die Möglichkeiten der Kunst über Modelle der theatralen Repräsentation von Wirklichkeit bei Peter Weiss und Heinar Kipphardt sprechen. 

Nähere Informationen und Anmeldung

Beitrag auf Bayern 2, 13. Oktober .2022

Peter Weiss-Retrospektive in Bologna

Bei der 36. Ausgabe des „Il Cinema Ritrovato“-Filmfestivals (dt.: „Das wiederentdeckte Kino“; Bologna, 25. Juni bis 3. Juli 2022), dem weltweit bedeutendsten Festival für Filmrestaurierung, wurde eine Retrospektive digital restaurierter Peter Weiss-Filme dargeboten. Neben Weiss‘ experimentellen Kurzfilmen Studie I – Uppvaknandet (1952), Studie II – Hallucinationer (1952), Studie III (1953), Ansikten i skugga (1956), Ingenting ovanligt (1957), Studie IV – Frigörelse (1955), Studie V – Växelspel (1955), Ateljéinteriör (The Studio of Dr Faust, 1956) sowie Enligt lag (1958), die das Svenska Filminstitutet bereitstellte, nahm Kurator Jon Wengström auch den abendfüllenden Film Hägringen in das Programm auf. 

Wengström zufolge stellen Weiss‘ experimentelle Kurzfilme den „menschlichen Körper und sein Befinden mit reicher visueller Poesie dar, während seine ausgezeichneten Dokumentarfilme ein großartiges Zeugnis von Weiss‘ Liebe zum Detail und seiner Fähigkeit sind, selbst unter den schwierigsten Umständen menschliche Würde zu finden.“

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