Mit Raimund Fellinger starb der Lektor, der über lange Zeit das Werk von Peter Weiss betreute

Mit großer Betroffenheit haben wir vom Tod Raimund Fellingers erfahren, mit dem uns seit der Gründung der Internationalen Peter Weiss-Gesellschaft im Jahr 1989 eine enge Zusammenarbeit verband.

Gerade im 75. Jahr nach der Befreiung von Auschwitz erinnern wir uns an Raimund Fellingers Wertschätzung des Autors Peter Weiss, die er 2016 in die Worte fasste: „Die gesamten Anstrengungen, Auseinandersetzungen, Kämpfe, die Peter Weiss mit sich, den Zeitgenossen wie den (literarischen und politischen) Traditionen geführt hat, dienten allein dem Ziel, nicht vor der Barbarei in die Knie zu gehen, gegen Auschwitz anzuschreiben, anzudenken.“

Wir haben Raimund Fellinger als einen homme de lettre erlebt, der es sich ebenfalls zum Ziel gesetzt hatte, nicht vor der Barbarei in die Knie zu gehen. In diesem Sinne werden wir weiterhin gern seiner gedenken.

Mittwoch:Theater: „Der Process“ nach Franz Kafka

„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“ Mit diesem verstörenden Satz beginnt Franz Kafkas einflussreichstes Werk „Der Process“. Welches Verbrechen wird Joseph K. zur Last gelegt? Wodurch ist er schuldig geworden? Auf der Suche nach einer Antwort begleiten wir Joseph K. und geraten während dieses Kampfes gegen die namenlose Instanz, das Gericht, immer tiefer in ein wirres, ganz und gar auswegloses Labyrinth von Abgründen. „Der Process“ fesselt; ist Weltliteratur und bleibt es wohl auf ewig.

„Der Process“ von Peter Weiss nach Franz Kafka. Mittwoch:Theater, Am Lindener Berge 38, 30449 Hannover, Premiere: 25. April 2020, 19.30 Uhr - aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Bis auf weiteres finden keine Vorstellungen statt.

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Das Deutsche Theater streamt „Marat/Sade“

Das Deutsche Theater in Berlin zeigt Inszenierungen in voller Länge als Videostream, Einführungen sowie weitere Webformate, die derzeit vorbereitet werden. Das Angebot wechselt jede Woche. Gestreamt werden DT-Klassiker als Video-on-Demand jeweils am Dienstag und Donnerstag ab 18 Uhr bis 12 Uhr am darauffolgenden Tag.

Am 14. April 2020 um 18.00 Uhr wird "Marat/Sade" in der Regie Stefan Puchers gezeigt.

Zu welchen Extremen sich der Individualismus entwickelt und wie radikal sich damit die Frage der gesellschaftlichen, politischen und religiösen Zugehörigkeit stellt, hatte Peter Weiss als 1965 sein Stück Marat/Sade uraufgeführt wurde, kaum ahnen können. Doch nicht nur das Spannungsfeld zwischen Individualismus und politischer Bewegung beschäftigt ihn, auch das Verhältnis zur Gewalt. Sein Marquis de Sade, Namenspatron des "Sadismus", tut sich mit der realen Anwendung von Gewalt schwerer als der Ideologe Jean Paul Marat, Wortführer der französischen Revolution. Das Spektrum der Gewaltformen umfasst dabei nicht nur Staatsterrorismus, Säuberungen, Kriege und Folter, sondern auch die Gewalt der Straße. Was zu der vielleicht aktuellsten Frage führt, die Peter Weiss, der am 8. November 2016 hundert Jahre alt geworden wäre, mit seinem Stück stellt: Wer ist das Volk? Welches Maß an Mündigkeit ist ihm zuzutrauen, welche Gefahren der Manipulation und des Rückfalls in Barbarei bestehen? Und in welchem Dilemma zwischen Fortschritt und Rückschritt steht damit die Demokratie?

DT Heimspiel

Berliner Abendblatt, 8. April 2020   
Stuttgarter Nachrichten, 9. April 2020

60-Jahr-Feier des Kunstmuseums Bochum verschoben

Am 4./5. April 2020 hatte das Kunstmuseum Bochum sein 60-jähriges Bestehen feiern wollen. In diesem Zusammenhang hatte auch die Eröffnung der ständigen Präsentation der eigenen Sammlung in der historischen Villa Marckhoff neben dem „Neubau“ am Stadtpark Bochum aus dem Jahr 1983 erfolgen sollen. Zu den Arbeiten, die die Sammlung des Museums prägen und die in der Villa Marckhoff gezeigt werden sollen, zählen Peter Weiss im historischen Teil, Arbeiten zum Spanischen Bürgerkrieg und Werke von Künstlern aus Ost- und Mitteleuropa, die das Museum schon früh gesammelt hat. Wie so viele Veranstaltungen in diesen Tagen hat die Corona-Pandemie nun auch die Museums-Eröffnung unmöglich gemacht.

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Kroesinger inszeniert „Die Ermittlung 2020“ an der Volksbühne Berlin

An der Volksbühne Berlin unter Intendant Klaus Dörr werden in der kommenden Saison unter anderem Kay Voges („Right Here – Right Now“), Claudia Bauer („Germania“ nach Heiner Müller), David Marton („Howl“ nach Allen Ginsberg), Stefan Pucher („Legende“ nach Ronald M. Schernikau) sowie Hans-Werner Kroesinger inszenieren („Die Ermittlung 2020“ von Peter Weiss).

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