„Ich ergreife Partei / für alles was Leben macht“

Realismus revisited. Zum 100. Geburtstag von Heinar Kipphardt. Eine interdisziplinäre Tagung

Für den Dramatiker, Lyriker und Erzähler Heinar Kipphardt war der Realismus eine zentrale Kategorie: vom Einfluss biografischer Erlebnisse, der Auseinandersetzung mit sozialistischem Realismus, Surrealismus und Psychiatrie bis hin zu seinen Dokumentartheaterstücken. Anlässlich seines 100. Geburtstags greift die interdisziplinäre Tagung aktuelle Realismus-Debatten in der deutschsprachigen Literatur und im Theaterkontext auf. Für die Tagung, die zwischen 14. und 16. Oktober 2022 an der Münchner Volkshochschule, Einsteinstr. 28, 81675 München stattfindet, ist eine Anmeldung erforderlich. Konzipiert und organisiert haben die Tagung Prof. Dr. Sven Hanuschek und Dr. Laura Schütz.

Im Rahmen der Veranstaltung werden IPWG-Mitglied Dr. Ingo Breuer am 15. Oktober 2022, 16.30 Uhr über Schwester Zschäpe? Die „Lücke“ des Realismus in Nuran David Calis' dokumentarischem NSU-Projekt, IPWG-Mitglied Xuan Sun am 16. Oktober 2022, 9.30 Uhr über Das Dokumentartheater und den neuen Realismus und IPWG-Mitglied Dr. Klaus Wannemacher anschließend um 10.15 Uhr unter dem Titel Das produktive Misstrauen in die Möglichkeiten der Kunst über Modelle der theatralen Repräsentation von Wirklichkeit bei Peter Weiss und Heinar Kipphardt sprechen. 

Nähere Informationen und Anmeldung

Beitrag auf Bayern 2, 13. Oktober .2022

Peter Weiss-Retrospektive in Bologna

Bei der 36. Ausgabe des „Il Cinema Ritrovato“-Filmfestivals (dt.: „Das wiederentdeckte Kino“; Bologna, 25. Juni bis 3. Juli 2022), dem weltweit bedeutendsten Festival für Filmrestaurierung, wurde eine Retrospektive digital restaurierter Peter Weiss-Filme dargeboten. Neben Weiss‘ experimentellen Kurzfilmen Studie I – Uppvaknandet (1952), Studie II – Hallucinationer (1952), Studie III (1953), Ansikten i skugga (1956), Ingenting ovanligt (1957), Studie IV – Frigörelse (1955), Studie V – Växelspel (1955), Ateljéinteriör (The Studio of Dr Faust, 1956) sowie Enligt lag (1958), die das Svenska Filminstitutet bereitstellte, nahm Kurator Jon Wengström auch den abendfüllenden Film Hägringen in das Programm auf. 

Wengström zufolge stellen Weiss‘ experimentelle Kurzfilme den „menschlichen Körper und sein Befinden mit reicher visueller Poesie dar, während seine ausgezeichneten Dokumentarfilme ein großartiges Zeugnis von Weiss‘ Liebe zum Detail und seiner Fähigkeit sind, selbst unter den schwierigsten Umständen menschliche Würde zu finden.“

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Erasmus Schöfer †

Die Internationale Peter Weiss-Gesellschaft nimmt traurig die Nachricht vom Ableben ihres Mitglieds Erasmus Schöfer (4. Juni 1931—7. Juni 2022) zur Kenntnis.

Schöfer machte sich 1969 als Mitgründer des «Werkkreises Literatur und Arbeitswelt» einen Namen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die in der Nachfolge von Peter Weiss' «Ästhetik des Widerstands» konzipierte Roman-Tetralogie «Die Kinder des Sisyfos» (Bd. 1: «Ein Frühling irrer Hoffnung», 2001; Bd. 2: «Zwielicht», 2004; Bd. 3: «Sonnenflucht», 2005; Bd. 4: «Winterdämmerung», 2008), mit der Schöfer den linken Bewegungen 1968—1989 in der alten Bundesrepublik Deutschland ein Denkmal setzen wollte. Ausführlich wurde die Tetralogie im «Peter Weiss Jahrbuch für Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert» (Bd. 14, 2005, S. 157—182: über die Bände 1 und 2; Bd. 15, 2006, S. 153—170: über Band 3; Bd. 18, 2009, S. 35—61: über Band 4) gewürdigt.

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Werner Jung: Zeitabschnitte aus der Zeit selbst heraus sichtbar machen – ein Nachruf auf Erasmus Schöfer

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Die Widerständigkeit der Erinnerung. Aus dem Werk von Peter Weiss

Die IPWG zu Gast bei dem 22. internationalen literaturfestival berlin (ilb), Sektion Erinnerung, sprich

Freitag, 16. September 2022, 19.30 Uhr, Ort: Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, 10719 Berlin

Peter Weiss (1916-1982) war einer der profiliertesten Autoren der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Ein wichtiges Thema in seinem Oeuvre ist die persönliche und gesellschaftliche Erinnerung. Es werden Auszüge aus seinen Romanen «Der Schatten des Körpers des Kutschers», «Fluchtpunkt» und «Die Ästhetik des Widerstands» vorgestellt durch Mitglieder der Internationalen Peter Weiss-Gesellschaft.

Es liest die Schauspielerin und Sprecherin Nina West (Berlin).

Im Vorfeld der Veranstaltung wird am 16. September 2022, 18.00 Uhr, am selben Ort zunächst Gunilla Palmstierna-Weiss im Rahmen einer weiteren Lesung ihre Autobiographie „Eine europäische Frau“ vorstellen.

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Peter Weiss, Foto von Volker Krämer, © IPWG; Nina West, Foto von Nadja Klier, © Nadja Klier

Nähere Angaben zur Lesung von Gunilla Palmstierna-Weiss und zur Veranstaltung der IPWG

Darüber hinaus wird im Rahmen des ilb 2022 am Sonntag, 11. September 2022, 12:00 Uhr, Peter Brook‘s Filmadaption von Weiss‘ Marat/Sade von 1967 zu sehen sein.

 

In memoriam Friedrich Christian Delius

Auf einer Veranstaltung der IPWG zur Leipziger Buchmesse 2010 erläuterte F. C. Delius seine Position bei der Behandlung politischer und gesellschaftlicher Themen. Nicht als „politischer Autor” wollte er verstanden werden, sondern als politisch engagierter Zeitgenosse, der Literatur produziert.

Romane und Erzählungen wie „Mogadischu Fensterplatz“, „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“, „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ oder „Bildnis der Mutter als junge Frau“ verknüpfen prägende politische Ereignisse (nationalsozialistische Vergangenheit, Studentenbewegung, Aktivitäten der RAF, deutsche Teilung und Wiedervereinigung) mit der eigenen Lebensgeschichte.

Wie Peter Weiss, mit dessen Werk er bestens vertraut war, griff auch Delius zeitgeschichtliche Themen auf, verzichtete aber auf die Vermittlung fertiger Lösungen. Sein umfangreiches literarisches Werk fügt sich zu einem Kompendium deutscher Nachkriegs-(Kultur-)Geschichte, das nicht einfach Fakten illustriert, sondern in rhythmischer und formbewusster Sprache sensibilisiert für die Innenseiten von Politik und Historie.

Am 30. Mai 2022 ist Friedrich Christian Delius in Berlin im Alter von 79 Jahren gestorben.

Dr. Rüdiger Sareika

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Hannes Krauss: Nachruf auf Friedrich Christian Delius (* 13. Februar 1943 in Rom; † 30. Mai 2022 in Berlin)

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