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XXII. cinefest und 38. Internationaler Filmhistorischer Kongress Hamburg

Zwischen Schreibmaschine und Filmkamera. Literaten und ihr Verhältnis zum Film. 38. Internationaler Filmhistorischer Kongress

Betrachtet man die literarische Szene der 1950er bis 1980er Jahre in West- und Ost-Deutschland, so zeigt sich ein bemerkenswer­ter Unterschied. In der DDR arbeiteten viele führende Schriftstellerinnen und Schriftsteller auch selbst im Film: Christa und Gerhard Wolf schrieben Drehbücher, Helga Schütz hat u. a. an der Filmhochschule in Babelsberg studiert, Jurek Beckers Welterfolg »Jakob der Lügner« begann als Drehbuch. In West-Deutschland hingegen war der Film für viele Autorinnen und Autoren zunächst nicht Teil ihrer Medienarbeit – es sei denn, sie konnten ihre Bücher für die Verfilmung »verkaufen«. Eine Änderung dieser filmskeptischen Haltung erfolgte erst im Verlauf der 1960er und 1970er Jahren.

Der 38. Internationale Filmhistorische Kongress auf dem cinefest 2025, der vom 19. bis 22. November 2025 in Hamburg ausgerichtet wird, geht den gesellschaftlichen Gründen und kulturellen Auswirkungen dieser Situation nach. Die Vorträge sollen die im Schnittfeld von literatur-, medien- und speziell filmwissen­schaftlicher Forschung die spannungsvolle Beziehung von Literaten zum Film beleuchten.

Im Rahmen des Filmhistorischen Kon­gresses wird auch Peter Weiss‘ wohl wichtigstes filmisches Werk vorgeführt, der Spielfilm Hägringen, den Weiss 1958/1959 als Adaption seiner frühen Prosa­arbeit Der Vogelfreie / Dokument I über die Be­gegnung eines fremden Jugendlichen mit der großen Stadt drehte (Nordisk Tonefilm, sw, 81 Min.). Einführend wird die Filmhistorikerin Heike Klapdor in einem Vortrag „Statt Wörter: Erscheinungen. Peter Weiss‘ intermediale Kunst“ der Frage nachgehen, wie Weiss die lite­rarische in eine filmische rite-de-passage ver­wandeln konnte. Als Vorfilm wird Weiss‘ Experimentalfilm Stu­die IV: Frigörelse (Befreiung) von 1954 gezeigt.

Die IPWG unterstützt die Vor­führung von Weiss‘ Spielfilm am Donnerstag, dem 20. November 2025, 17:00 Uhr, im Kommunalen Kino Metropolis durch eine Filmpaten­schaft. 

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