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Ingrid Strebel: Kunstgeschichte(n):
Malerei und kunsthistorischer Diskurs im deutsch-, englisch- und französischsprachigen europäischen Roman zwischen 1975 und 2000
(Peter Weiss, Georges Perec, Wolfgang Hildesheimer, Michael Frayn, Serge Rezvani)
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Der Rückgriff zahlreicher Romanciers der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts auf den fremdmedialen Bereich der Malerei und der bildenden Kunst stellt einen in der Literaturwissenschaft der letzten Jahre vielfach diskutierten Forschungsgegenstand dar. Weniger Aufmerksamkeit wurde bislang hingegen dem Umstand zuteil, dass Romanautoren der Gegenwart, die sich auf erzählerischem Wege mit bildender Kunst beschäftigen, oftmals ebenfalls bedeutende Anleihen bei der akademischen Disziplin der Kunstgeschichte machen, deren Ergebnisse, Formen und wissenschaftliche Methoden in unterschiedlicher Weise in die literarischen Werke einfließen und den jeweiligen schriftstellerischen Zwecken entsprechend verarbeitet werden. Das Erkenntnisinteresse der mit „Kunstgeschichte(n)“ betitelten Arbeit richtet sich auf Erscheinungsformen und Funktionen der Einbeziehung von Malerei und kunsthistorischem Diskurs in den zeitgenössischen europäischen Roman. Es handelt sich hierbei um ein narratives Doppelphänomen, bei dem literarische Intermedialität stets von einer spezifisch bildbezogenen, im Rekurs auf wissenschaftlich-kunsthistorisches bzw. kunstkritisches Schriftgut bestehenden Form der Intertextualität begleitet ist. Den ersten Teil der Arbeit bilden Überlegungen typologischer Art, die auf eine systematische Erfassung der hier als „erzähltes Kunstwerk“ und „erzählte Kunstgeschichte“ bezeichneten Phänomene abzielen und von Reflexionen über unterschiedliche Wege der Kunsterfahrung begleitet sind. Der zweite Teil der Studie umfasst fünf Einzelanalysen ausgewählter, zwischen 1975 und 2000 erschienener deutsch-, englisch- und französischsprachiger Romane, die als repräsentativ für bestimmte Arten des erzählerisch-fiktionalen Umgangs mit bildender Kunst und kunsthistorischem Diskurs und somit für bestimmte bildbezogene intertextuelle Erzählverfahren gelten können. Die Gliederung des praktischen Teils der Arbeit folgt dabei thematischen Kriterien. Am Beispiel der Romane Marbot von Wolfgang Hildesheimer und Headlong von Michael Frayn werden Kunsthistoriker und ihre Methoden im Spiegel des zeitgenössischen Romans betrachtet. Möglichkeiten ernsthafter ebenso wie spielerischer Bezugnahme fiktionaler Erzähltexte auf kunstwissenschaftliche Textgattungen werden anhand der Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss und des Kurzromans Un cabinet d’amateur von Georges Perec aufgezeigt. Eine überraschende Interpretation der kunstphilosophischen Diskussion um das „Ende der Kunst“ und des aktuellen kunstwissenschaftlichen Topos des „Endes der Kunstgeschichte“ bietet Serge Rezvani in seinem Museumsroman L’Origine du monde. |