Filmisches Werk

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Peter Weiss, Hägringen

Angesichts der als allzu statisch empfundenen Grenzen der Bildenden Kunst wandte Weiss sich zwischen 1952 und 1961 filmästhetischen Experimenten zu. Seine kinematografischen Ambitionen überschrieb er explizit mit dem Begriff des Avantgardefilms (so der Titel einer programmatischen Schrift von 1956). Es entstanden sechs surrealistische und fünf dokumentarische Kurzfilme. Letztere befassten sich mit Außenseitergruppen der skandinavischen Wohlfahrtsgesellschaft, führten jedoch im Fall von Enligt lag (dt.: Im Namen des Gesetzes) 1957 aufgrund ‚pornografischer‘ Freizügigkeit zum Konflikt mit der staatlichen Filmzensur. Zudem drehte Weiss 1958/59 den 80-minütigen Spielfilm Hägringen, eine Adaption seiner frühen Prosaarbeit Der Verschollene / Dokument Iüber die Begegnung eines fremden Jugendlichen mit der großen Stadt.

Mit dem Spielfilm Svenska flickor i Paris (Schwedische Mädchen in Paris) folgte 1960 eine erfolglose kommerzielle Produktion. Die Arbeit an diesem, die surrealistische Kunst Tinguelys reflektierenden Spielfilm war von einem grundsätzlichen Dissens zwischen dem Produzenten Lars Burman und dem Regisseur Weiss über die filmische Wirkungsabsicht überschattet. Weiss distanzierte sich nachträglich von diesem Experiment im kommerziellen Bereich. Seit den 1980er Jahren sind Weiss’ filmische Arbeiten auf verschiedenen Filmtagen auch einer deutschen Öffentlichkeit vorgestellt worden (Internationales Forum des jungen Films, 1980; Nordische Filmtage Lübeck, 1986 etc.).

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Peter Weiss, Studie II

Wenngleich Weiss zu keinem Zeitpunkt von seiner Tätigkeit als bildender Künstler zu leben vermochte und den überwiegend in Schweden entstehenden filmischen Arbeiten trotz verschiedener Auszeichnungen auch bei internationalen Wettbewerben nachhaltige Resonanz versagt blieb, wurde ihm vom Berliner Senat unmittelbar nach dem Marat/Sade-Erfolg die Funktion des Gründungsdirektors der in Aufbau befindlichen Filmakademie in West-Berlin (dffb) angetragen. Wie sich der von Peter Weiss an seiner statt vorgeschlagene Gründungsdirektor Erwin Leiser erinnerte, lehnte Weiss jedoch „ab, weil er vor dem Gedanken an administrative Arbeit und ständige Konfrontation mit deutscher Bürokratie zurückschreckte.“ Bereits seit dem Prosatext Duellen in den frühen 1950er Jahren prägten filmästhetische Qualitäten Weiss’ Prosatexte maßgeblich. Noch Jahrzehnte nach Weiss’ Abwendung vom Experimentalfilm als Kunstform blieb die Übernahme visueller Techniken aus dem filmischen Bereich eine Konstante seiner literarischen Arbeit.

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Siehe dazu auch die SFB-Sendung Berlin stellt vor: Peter Weiss.

Erster Gast der von Walter Höllerer moderierten Sendereihe "Berlin stellt vor" war 1961 der in Stockholm lebende Schriftsteller, Künstler und Filmemacher Peter Weiss. Weiss gab Auskunft über seine ästhetische Position und seine Arbeitsweise, die politische Dimension seiner Filme und sein Verhältnis zum Surrealismus. Verfügbar als YouTube-Beitrag in zwei Teilen: 1/2.