Peter Weiss Jahrbuch Band 23. 2014

PW-Jahrbuch 22Herausgegeben von Arnd Beise und Michael Hofmann in Verbindung mit der IPWG. Begründet von Martin Rector und Jochen Vogt. St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag 2014. 201 Seiten, Festeinband, 29 Euro. [ISBN 978-3-86110-572-5] (lieferbar)

Das dreiundzwanzigste Peter Weiss Jahrbuch wird mit der Erstpublikation der deutschen Übersetzung der Erzählung Ortswechsel von Peter Weiss aus dem Jahr 1953 eröffnet. Sie ist das zweite Mal, dass Peter Weiss seine Erfahrungen als Waldarbeiter 1943 literarisierte. Ein drittes Mal erzählte Weiss in seinem Roman Fluchtpunkt davon. Ein Vergleich aller drei Waldarbeitserzählungen gibt interessante Aufschlüsse über den Wandel von Weiss’ Poetik zwischen 1945 und 1960.

Ein Schwerpunkt des Analysenteils sind Grenzüberschreitungen. Das Verhältnis zwischen Text und Collage bei Peter Weiss ist das Thema des Aufsatzes von Helena Köhler. Thilo Diefenbach informiert im Anschluss daran über die Weiss-Rezeption in China und die Eigenarten des chinesischen Marat/Sade. Ästhetische und politische Implikationen von Transgressionen behandelt Sabine Haupt am Beispiel von Alfred Kubins Roman Die andere Seite. Dass das Politische tief in seiner Poetik verankert ist, plausibilisiert Iulia-Karin Patrut in ihrer Untersuchung von Texten Paul Celans. Yannick Müllender zeigt, wie die Erinnerung an Krieg und Vertreibung in zeitgenössischen Familienromanen von F. C. Delius, Tanja Dückers, Arno Geiger, Ulla Hahn, Reinhard Jirgl, Dagmar Leupold, Thomas Medicus, Martin Pollack und Uwe Timm gestaltet wird. Timms erzähltechnisch kühnstes Werk, der Roman Halbschatten, ist schließlich Gegenstand der einführenden Analyse von Gert Sautermeister.